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Wachstumsmotor
Brasilien rückt ins Blickfeld internationaler Investoren
(Handelsblatt.com) 10/2008
Der
brasilianische Immobilienmarkt gilt als einer der dynamischsten
Wachstumsmotoren im südamerikanischen Schwellenland. Ende April
verliehen die Rating-Agenturen Standard & Poors und Fitch dem Land
das Gütesiegel "Investment Grade". Warum das südamerikanische Land für
Anleger besonders attraktiv ist.
FRANKFURT.
Beide Agenturen werteten das Länderrisiko von "BB+" auf "BBB-" herauf.
"Die Verleihung des Investmentgrades gibt dem Immobilienmarkt die
Möglichkeit, stärker zu wachsen, als bisher", ist Jörn Pelka,
Geschäftsführer von PC Arena, einem Beratungsunternehmen für
ausländische Investoren in Brasilien, überzeugt. Laut einer Studie des
Internationalen Währungsfonds (IWF) soll ein Großteil der rund 137 Mrd.
Euro, die ausländische Investoren im Jahr 2007 nach Brasilien trugen,
in die Immobilienmärkte fließen. Insbesondere bei Shoppingcentern und
dem privaten Wohnungsbau besteht enormer Nachholbedarf.
"Der brasilianische Immobilienmarkt bietet gegenüber Europa und den
USA entscheidende Wettbewerbsvorteile", sagt Pelka. Hinsichtlich der
Renditemöglichkeiten gilt in Brasilien eine vereinfachte Formel, die im
Übrigen auch für den Büromarkt sowie Gewerbehallen anwendbar ist: Je
nach Standort und Bauqualität rechnet man momentan 0,8 bis 1,0 Prozent
Mietrendite pro Monat bezogen auf den Kaufpreis. "Da in der Regel fast
sämtliche nicht umlagefähige Nebenkosten und Instandhaltung zu Lasten
des Mieters gehen, entspricht dies also nahezu einer jährlichen
Nettorendite vor Steuern von 9,6 bis zwölf Prozent bei
Bestandsimmobilien", rechnet Pelka vor. Bei Projektentwicklungen
erwarteten Immobilienexperten sogar Gewinne von bis zu 18 Prozent pro
Jahr.
Das hat bislang vor allem US-amerikanische Investoren angelockt.
"Deutsche sind auf dem brasilianischen Immobilienmarkt noch
zurückhaltend", sagt Pelka. Dennoch habe die ein oder andere
Fondsgesellschaft Brasilien bereits im Visier. So ist zum Beispiel das
Hamburger Emissionshaus HCI Capital mit seinem geschlossenen Fonds HCI
Real Estate BRIC plus über zwei Zielfonds, Brascan Brazil Real Estate
Partners und Prosperitas Real Estate Partners II, in den
brasilianischen Immobilienmarkt investiert. "
In Brasilien befinden sich sowohl Wirtschaft als auch Bevölkerung
auf Wachstumskurs, was wiederum überdurchschnittlich gute Chancen für
Immobilieninvestitionen bietet", erläutert Manfred Kupka,
Produktverantwortlicher bei HCI Immobilien Consult. Das hat auch der
Zielfonds Brascan, der durch die Brascan Brasil Limited (BBL) verwaltet
wird, gezeigt. BBL, mit Hauptsitz auf den Cayman Islands, ist eine
hundertprozentige Tochter der börsennotierten kanadischen
Kapitalanlagegesellschaft Brookfield Asset Management. In nur zwölf
Monaten waren alle Shopping-Center-Projekte des Brascan-Fonds
angebunden, der jetzt voll investiert ist.
"In Brasilien zählt der Einzelhandel zu den am schnellsten
wachsenden Segmenten der brasilianischen Immobilienwirtschaft", erklärt
Pelka die Anlagestrategie. Ein Grund hierfür ist die steigende
Kaufkraft, die aus einer wachsenden Mittelschicht aus jungen, gut
ausgebildeten Leuten mit steigenden Ein-kommen resultiert. Vor allem
bei Shoppingcentern in den großen Städten besteht Nachholbedarf. In 70
Prozent aller Städte über 500 000 Einwohner gebe es noch keine
entsprechenden Einkaufsmöglichkeiten.
Doch Fonds interessieren sich auch für Gewerbe- und Wohnimmobilien:
Neben HCI setzt auch der Schweizer Fondsgesellschaft Valartis mit
seinem Dachfonds Global Real Estate Select Latin America auf das
südamerikanische Land. "Brasiliens Markt für moderne Büroimmobilien
verzeichnet ein gesundes Wachstum", erklärt Valartis Fondsmanager Symon
Godl. Die Nachfrage konzentriere sich insbesondere auf die Metropolen
Rio de Janeiro und das wirtschaftliche Herz Brasiliens, den Großraum
Sao Paulo. Wie in allen Märkten übersteigt aber auch in den beiden
Städten die Nachfrage immer noch das Angebot. Entsprechend stehen nur
wenige Büroflächen leer, die Mieten steigen. "In Sao Paulo reduzierte
sich etwa die Leerstandsquote im Büromarkt seit 2004 von 22 auf 12,5
Prozent", präzisiert Pelka. "Gleichzeitig stiegen die
Quadratmetermieten von 17 auf 27,50 Dollar."
Was macht den Immobilienmarkt attraktiv?
Brasilien weist in vielen Bereichen die höchsten Mietrenditen im
Verhältnis zum eingesetzten Kaufpreis auf. Die Immobilienpreise steigen
stark und ermöglichen große Verkaufsgewinne.
Vor welchen Herausforderungen steht der Markt?
Dazu zählt zum einen die vielerorts mangelnde Infrastruktur, die dem
Wachstum auf dem Immobilienmarkt nicht gerecht wird. Das bereits
erwähnte Programm zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums soll auch
Investitionen in die Infrastruktur, den Siedlungswasserbau und den
Wohnungsbau fördern. Der Staat wird bis 2010 insgesamt rund 295 Mrd.
Euro in die Infrastruktur investieren. Eine weitere Herausforderung
stellt die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 dar. Auch hierfür muss jedoch
die Infrastruktur weit über den reinen Stadionbau hinaus ausgebaut
werden. Es ist Aufgabe der lokalen Regierungen, Privatkapital
anzuziehen, um Projekte in Gang zu bringen. Dafür wird ausländisches
Kapital und ausländisches Know-how benötigt.
Mit welchen Mitteln lockt die Regierung Kapital ins Land?
Brasiliens Wirtschaft hat sich stabilisiert, die Inflation ist unter
Kontrolle und die Zinsen sind gesunken. Zusätzlich locken
Steuererleichterungen für Investitionen - im Rahmen des
Regierungsprogramms zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstum -, aber
auch höhere Kreditvolumina und Börsengänge von Immobilien- und
Bauunternehmen ausländisches Kapital ins Land. Zudem erwägt die
Regierung, die Industrieproduktsteuer IPI für Immobilien- und
Bauunternehmen auszusetzen.
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